Ein englischer Lebenslauf in Deutschland ist mehr als eine Übersetzung. Hier erfährst du, was sich unterscheidet, was falsch gemacht wird und wie du einen CV schreibst, der bei deutschen und internationalen Arbeitgebern ankommt.

Christian Arzberger
Gründer & Karriereberater, Karriereengel
Ein englischer Lebenslauf ist keine Übersetzung — er ist ein anderes Dokument. Wer seinen deutschen Lebenslauf einfach ins Englische überträgt, macht in der Regel mehrere Fehler gleichzeitig. Dieser Leitfaden zeigt dir, was wirklich anders ist und wie du es richtig machst.
Wann brauchst du einen englischen Lebenslauf?
Nicht jede Stelle in einem internationalen Unternehmen verlangt einen englischen Lebenslauf. Wenn die Stellenanzeige auf Deutsch ist, reiche auf Deutsch ein — es sei denn, das Unternehmen fragt explizit nach einem englischen CV.
Wann du definitiv einen englischen Lebenslauf brauchst:
- Die Stellenanzeige ist auf Englisch verfasst
- Das Unternehmen hat explizit darum gebeten
- Du bewirbst dich bei einem US-amerikanischen, britischen oder sonstigen nicht-deutschsprachigen Arbeitgeber
- Die Stelle erfordert Englisch als Hauptarbeitssprache
Wann ein englischer Lebenslauf optional aber sinnvoll ist:
- Du bewirbst dich bei multinationalen Konzernen (SAP, Siemens, BASF, Bayer) für eine internationale Rolle
- Du arbeitest in einer Branche, in der Englisch Arbeitssprache ist (Consulting, Tech, Finance)
Die wichtigsten Unterschiede: CV vs. Résumé vs. Lebenslauf
Diese drei Begriffe bezeichnen ähnliche, aber nicht identische Dokumente:
Lebenslauf (Deutschland): Tabellarisch, antichronologisch, oft mit Foto, Geburtsdatum, Familienstand. Standardmäßig 1–2 Seiten.
CV (Curriculum Vitae) — UK/Europa: Ausführlicher als ein Résumé, kann 2–3 Seiten umfassen. Kein Foto in UK, aber in vielen EU-Ländern üblich. Enthält akademische Details.
Résumé (USA/Kanada): Strikt auf 1 Seite begrenzt, kein Foto, kein Alter, keine persönlichen Angaben. Fokus auf Ergebnisse und Keywords.
Wenn du dich in Deutschland bei einem amerikanischen Unternehmen bewirbst: Folge dem US-Résumé-Format — kein Foto, kein Geburtsdatum, 1 Seite wenn möglich.
Wenn du dich bei einem europäischen oder deutschen Unternehmen mit englischsprachiger Anforderung bewirbst: Ein englischer CV im kontinentaleuropäischen Stil ist richtig — ähnlich dem deutschen Lebenslauf, aber ohne Geburtsdatum (optional), ohne Familienstand.
Was du auf keinen Fall direkt übersetzen solltest
Jobtitel
Deutsche Jobtitel klingen auf Englisch oft falsch oder bedeutungslos. Übersetze nicht wörtlich — passe an den internationalen Standard an:
- „Sachbearbeiter" → „Specialist" oder „Coordinator"
- „Referent" → „Advisor" oder „Analyst"
- „Kaufmann / Kauffrau" → Beschreibe die Funktion: „Retail Manager" oder „Commercial Specialist"
- „Abteilungsleiter" → „Department Head" oder „Team Lead" (je nach Größe)
Akademische Abschlüsse
Deutsche Abschlüsse haben keine exakten englischen Entsprechungen. Schreibe den deutschen Abschluss aus und füge die Entsprechung in Klammern hinzu:
- „Diplom-Ingenieur (equiv. Master of Engineering)"
- „Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik" (wenn deine Uni diesen englischen Titel bereits verwendet — viele tun das)
- „Ausbildung zum Industriekaufmann (equiv. Vocational Training in Business Administration)"
Organisationen und Institutionen
Deutsche Institutionen sind international unbekannt. Füge immer eine kurze Erklärung hinzu:
- „Bundesagentur für Arbeit (Federal Employment Agency, Germany)"
- „IHK (Chamber of Commerce, Germany)"
- „TÜV SÜD (German certification and testing organization)"
Der richtige Aufbau
Ein englischer CV für den deutschen Markt hat diesen Aufbau:
Personal Information
Name, E-Mail, Telefon, LinkedIn (wenn gepflegt), ggf. Stadt und Land. Kein Geburtsdatum, kein Foto — es sei denn, das Unternehmen ist eindeutig europäisch und erwartet es.
Professional Summary (2–4 Sätze)
Anders als im deutschen Lebenslauf ist eine kurze Zusammenfassung am Anfang im englischen CV üblich und erwartet. Sie beantwortet: Wer bin ich beruflich, was kann ich, was suche ich?
Beispiel:
„Results-driven project manager with 8 years of experience leading cross-functional teams in the automotive industry. Proven track record of delivering complex IT projects on time and within budget. Seeking a senior leadership role in a fast-growing tech environment."
Work Experience
Antichronologisch, mit Bullet Points. Der größte Unterschied zum deutschen Lebenslauf: Ergebnisse, nicht Aufgaben. Das gilt im Deutschen auch — im Englischen ist es noch stärker erwartet.
Strukturiere jeden Bullet Point nach dem PAR-Prinzip:
- Problem oder Situation
- Action — was du konkret getan hast
- Result — messbares Ergebnis
Statt: „Responsible for customer support"
Besser: „Managed a team of 12 customer support agents, reducing average response time by 35 % within 6 months"
Verwende starke Verben am Anfang jedes Bullet Points: Achieved, Led, Developed, Implemented, Reduced, Increased, Managed, Designed, Delivered.
Education
Bildungsweg mit englischen oder erklärten Titeln. Notennäquivalenz: Deutsche Note 1,0–1,5 entspricht „with distinction" oder „GPA 4.0 equivalent". Note 2,0–2,5 lässt du oft besser weg.
Skills
Sprachen mit Niveau (C1, B2, native) — das europäische Referenzrahmen-System ist international bekannt. Software, Tools, Methoden.
Typische Sprachfehler vermeiden
„Denglisch" vermeiden: Schreib entweder vollständig auf Englisch oder vollständig auf Deutsch — keine Mischsprache.
False Friends:
- „aktuell" ≠ „actual" (actual = tatsächlich; current = aktuell)
- „eventuell" ≠ „eventually" (eventually = schließlich; possibly = eventuell)
- „Gymnasium" ≠ „gymnasium" (gymnasium = Turnhalle; secondary school = Gymnasium)
- „sensibel" ≠ „sensible" (sensible = vernünftig; sensitive = sensibel)
Britisches vs. amerikanisches Englisch: Entscheide dich für eine Variante und halte sie durch.
- Optimise (UK) / Optimize (US)
- Organisation (UK) / Organization (US)
- Colour (UK) / Color (US)
Für Deutschland empfehle ich britisches Englisch — es wird hier stärker gelehrt und näher an europäischen Standards.
Länge und Format
Für ein europäisches Unternehmen: 1–2 Seiten, wie der deutsche Lebenslauf.
Für ein US-amerikanisches Unternehmen: Strikt 1 Seite, kein Foto.
Schriftgröße: 10–11 Punkt für Fließtext, 12–14 für deinen Namen. Gut lesbare Schriften: Calibri, Georgia, Garamond, Open Sans.
Fazit
Ein englischer Lebenslauf für den deutschen Markt ist ein Hybrid — er folgt internationalen Konventionen, muss aber für ein deutsches oder europäisches HR-Umfeld verständlich sein. Das bedeutet: Keine direkte Übersetzung, kein copy-paste aus amerikanischen Vorlagen, sondern ein bewusstes Anpassen an den Kontext.
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